Ur-Heilsalbe aus Ringelblume

Ich möchte euch in diesem Beitrag verraten, wie ihr eine Heilsalbe nach einem uralten Prinzip herstellen könnt. Das Prinzip ist sehr einfach und ermöglicht die Herstellung einer intensiven, haltbaren und vor allem heilkräftigen Heilsalbe aus Ringelblume. Bei meinen ersten Ölauszugversuchen vor einigen Jahren, ist mir das Öl im Kaltauszug reltiav schnell gekippt und ranzig geworden. Ich war frustriert… Die Ausbildung zur Naturheilkunde-Pädagogin hat mir dann die Augen geöffnet. Hier durfte ich das Prinzip der „Ur-Wasserbad-Methode“ kennenlernen, ein Vorgehen, das bereits in der Antike und tausende Jahre danach, erfolgreich eingesetzt wurde. Erst in den letzten 150 Jahren haben sich Kräuterkundige von diesen Vorgehensweisen abgewandt. Umso wichtiger ist es, diese Methode wieder bekannt zu machen!

Die Garten-Ringelblume - Calendula officinalis

Foto Tina Rosenkranz

Inhaltsstoffe: Saponine, Flavonoide, Carotinoide, Cumarine, Schleimstoffe, ätherisches Öl, Chlorophyll, Gerbstoffe, Allantoin, Harze

      

Eigenschaften: entzündungshemmend, wundheilend, lymphabflussfördernd, antibakteriell, Viren hemmend (virustatisch), Vermehrung von Pilzen hemmend (fungistatisch), antitumoral, blutfettsenkend

      

 

Heilwirkungen und Einsatzgebiete:

 

Aufgrund ihrer orange-gelben Blüten war die Ringelblume einst eine Leberheilpflanze. Die Farbe wird dem Element Feuer zugeordnet. Feuer-Pflanzen haben nach der Elementenlehre eine starke Heilkraft auf die Leber, die als Steukerungsorgan eine systemische Wirkung auf den gesamten Organismus besitzt.

 

Heute kommt Ringelblume bei allen möglichen Entzündungen von Haut und Schleimhaut, bei schlechter Wundheilung und zur Narbenpflege zum Einsatz. So werden Zubereitungen aus Ringelblume bei Geschwüren, Ekzemen, schlecht heilenden Wunden wie Schnitt-, Biss- und Quetschwunden verwendet. Auch bei Wundliegen, Akne, Abszessen, Furunkeln, Brustdrüsenentzündungen sowie Windeldermatitis, abgeschürften Knien, trockenen, rissigen Händen und Lippen, sowie bei Verbrennungen und Erfrierungen kommen Kompressen und Salben aus Ringelblume zum Einsatz. Ringelblumentee eignet sich außerdem hervorragend zur Wundreinigung (vgl. Bühring 2014 S. 458). Auch bei Fuß- und Hautpilz wirken Zubereitungen aus Ringelblume entzündungshemmend und pilzhemmend. Teeauflagen oder Öleinreibungen unterstützen außerdem den Lymphabfluss, weshalb diese Zubereitungen auch bei Ödemen versucht werden können (vgl. Bühring 2014, S. 526).

 

In der Volkmedizin wurde die Ringelblume einst sogar bei bösartigen Geschwülsten und Krebs verwendet. Sebastian Kneipp und Maria Treben haben Ringelblume beispielsweise bei Krebs, Brustkrebs und bösartigen Hautgeschwüren empfohlen. Auch heute finden wir noch Ringelblume in Krebsteemischungen (vgl. Madejsky 2017, S. 205).

 

Achtung: Bei Korbblütlerallergie können Hautreizungen entstehen.

 

Foto Tina Rosenkranz

Verarbeitungsinformationen und Rezept

Dieses Rezept habe ich in Anlehnung an Hildegard von Bingen und Maria Treben kreiert. Die Herstellungsweise widerspricht zwar den gängigen Meinungen, dennoch halte ich daran fest, dass altes Wissen und alte Zubereitungsformen nicht vergessen werden sollten. Nach langem Überlegen, habe ich mich dennoch dazu entschieden das Rezept mit euch zu teilen! Viel Spaß beim Ausprobieren :-)

 

Ölauszug nach der Ur-Wasserbad-Methode

      

Eine Methode zur Herstellung schneller und vor allem heilkräftiger Ölauszüge, ist die Ur-Wasserbad-Methode. Es handelt sich hierbei um eine uralte Verarbeitungsform, die die Zubereitung intensiver, haltbarer und heilkräftiger Ölauszüge ermöglicht. Bereits Hildegard von Bingen, Dioskurides, Avicenna, später auch Maria Treben, haben nach diesem Prinzip gearbeitet. Heute wird diese Methode nur mehr selten angewandt, das Wissen darüber ist kaum noch vorhanden.

 

Ich verzichte bewusst auf die Herstellung von Ölauszügen die im Kaltverfahren (=Mazerat) hergestellt werden, insbesondere dann, wenn frisches Pflanzenmaterial ausgezogen werden soll! Grund dafür ist die Gefahr der Verkeimung. Verkeimungen werden lange nicht wahrgenommen und können in den ersten Wochen nur durch pH-Wert-Tests festgestellt werden. Verarbeitet man verkeimtes Öl zu einer Salbe, so kann diese zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, insbesondere dann, wenn diese Zubereitungen zur Wundheilung verwendet werden. Dies gilt es natürlich zu verhindern, da gerade selbstgerührte Salben ein enormes Heilpotenzial besitzen.

 

Quittenöl, Löwenzahnöl, Johanniskrautöl, Vogelmierenöl

Foto Tina Rosenkranz

Das Prinzip der Ur-Wasserbad-Methode

      

Die Herstellung des Ölauszugs nach der alten Methode ist sehr einfach. Das gewünschte Pflanzenmaterial wird zerkleinert und kommt mit der entsprechenden Menge Öl in einen Topf. Nun kommt das besondere dieser Methode: es kommt noch Wasser hinzu – normales Leitungswasser ist ausreichend. In der Antike oder dem Mittelalter nahm man dazu Rotwein. Auf 100 g Öl kommen ca. 10 g Wasser, wobei man hier nichts falsch machen kann (besser etwas mehr Wasser als zu wenig). Danach wird der Inhalt einmal aufgekocht. Der Inhalt wird erhitzt und das Wasser beginnt aufgrund des geringen Siedepunkts (Öl hat einen viel höheren Siedepunkt) zu köcheln. Also nicht das Öl köchelt, sondern das Wasser! Nun verdampft das Wasser und es lösen sich nicht nur fettlösliche Inhaltsstoffe, sondern auch wasserlösliche – ein tolles Prinzip! Solltet ihr der Meinung sein, eurer Öl wird zu heiß, könnt ihr im Nachhinein noch Wasser zum Öl zugeben. Nach einmaligem Aufkochen (es sollte wirklich gleichmäßig „blubbern“) wird die Temperatur auf kleinste Stufe reduziert. Nun soll der Ölauszug noch für 1-2 Stunden ziehen.

 

 

Achtung: Die Methode eignet sich für die Extraktion von frischen Pflanzen mit einem hohen Anteil an Feuchtigkeit – die Methode gewährleistet intensive Kräuterextrakte mit einer langen Haltbarkeit. Bei getrockneten Pflanzenteilen müssen diese vorab pulverisiert und gut angefeuchtet und das Öl während der Extraktion im Auge behalten werden.

      

 

Werden die Inhaltsstoffe durch das Erhitzen nicht zerstört?

 

Auch wenn sich die Meinung sehr hartnäckig hält und viele KräuterpädagogInnen die Hände über den Kopf zusammen schlagen, bin ich der Meinung, dass NICHT ALLE Inhaltsstoffe durch Erhitzen zerstört werden! Oder warum werden fast alle Tees heiß zubereitet? Nur ein Beispiel von vielen. Natürlich gibt es Inhaltsstoffe die bei Hitze zerstört werden. Die meisten bleiben jedoch erhalten! Flavonoide (sorgen für die gelbe Pflanzenfarbe), Carotinoide (für die orangen Farbstoffe verantwortlich), Chlorophyll (grüne Pflanzenfarbe), Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine und ätherische Öle bleiben auch bei Erhitzung erhalten. Enzyme, Iridoide und Phytosterine sind hitzeinstabil und werden durch zerstört (diese werden schon bei 40 Grad Celsius zerstört).

 

 

Die Ringelblume im Öl zu erhitzen, stellt also prinzipiell kein Problem dar. Sämtliche Inhaltsstoffe der Ringelblume sind hitzestabil. Einige davon würden sich in Kaltauszügen gar nicht entsprechend lösen (z.B. Gerbstoffe).

 

 

Welche Öle/Fette können verwendet werden?

 

Für diesen Ölauszug eignen sich alle pflanzlichen Öle, die gut erhitzt werden können (das Öl wird in der Herstellung auf ca. 80 Grad Celsius erhitzt). Auf  nicht erhitzbare Öle sollte verzichtet werden.

Ich verwende für diese Ölauszugmethode sehr gerne Sonnenblumen-, Oliven- oder Distelöl. Jojobaöl würde sich auch sehr gut eignen.

 

Wie bereits erwähnt, wurden Ur-Heilsalben meist aus tiereischen Fetten hergestellt. Besonders heilsam sind Schweineschmalz, Rinder-, Hirsch und Bockstalg. Tierische Fette besitzten eine bessere Bioverfügbarkeit und werden dadurch besser von der Haut aufgenommen. Außerdem besitzen tiersche Fette eine starke regenierierende und wundheilende Wirkung. Ich verwende für meine Heilsalben meist tierische Fette!

 

 

Welche Pflanzenteile können verwendet werden?

      

Für den Ölauszug können sowohl nur die Blüten (ein Rezept für eine Blütensalbe findet ihr hier: Ringelblumen-Salbe) als auch die gesamte Pflanze verwendet werden. In diesem Rezept wird die gesamte Pflanze verarbeitet. Hildegard von Bingen oder Maria Treben verarbeiteten beispielsweise immer die gesamte Pflanze. Dies macht Sinn, denn der Ölauszug beinhaltet neben den Carotinoiden, Flavonoiden und ätherischem Öl aus den Blüten auch Gerbstoffe, Chlorophyll und Allantoin aus Blättern und Blütenkorb. Gerbstoffe besitzen eine entzündungshemmende, austrocknende und wundheilende Wirkung. Das Chlorophyll ist ein hervorragender Inhaltsstoff, der zur Hautregeneration und –beruhigung beiträgt. Allantoin, welches auch im Beinwell enthalten ist, lässt sich insbesondere in den Blütenkörben finden und besitzt eine gewebs-und zellregenerierende Wirkung. Es macht sich also bezahlt, die gesamte Pflanze zu verarbeiten. Allerdings besitzen Öle und Salben, die aus der gesamten Pflanze hergestellt werden, nicht mehr so eine schöne orange Farbe – also nicht enttäuscht sein ;-)!

      

 

So genug erläutert, jetzt geht’s zum Rezept:

 

Ölauszug und Salbe

Foto Tina Rosenkranz

Rezept Ringelblumen-Ölauszug

 

 

Bei der Herstellung des Ölauszugs und der Salbe sollte auf hygienisches Arbeiten geachtet werden. Dazu unbedingt Hände waschen, Arbeitsflächen und Arbeitsutensilien sowie das Verpackungsmaterial mit Alkohol desinfizieren. Ich verwende meist 38%igen Alkohol, den ich in Sprühfalschen abfülle.

 

Wie eingangs erwähnt, habe ich das Rezept in Anlehnung an Hildegard von Bingen und Maria Treben erstellt, wobei ich in diesem Rezept auf die Verwendung von tierischen Fetten verzichte (Öl besitzt eine größere soziale Akzeptanz). Allerdings muss auch erwähnt werden, dass tierische Fette eine stärkere Wirkung und eine bessere Bioverfügbarkeit besitzen und sich für Ur-Heilsalben besser eignen als pflanzliche Öle. Ihr könnt das Rezept natürlich abwandeln und statt Öl auch Schweineschmalz oder andere tierische Fette verwenden!

      

 

Zutaten:

  • 2 Handvoll Ringelblumenblätter und Blütenkörbe
  • 250 ml Bio-Sonnenblumenöl
  • ca. 20 g Wasser

 

Herstellung:

  1. Ringelblume etwas zerkleinern und mit Wasser in ein hohes Gefäß geben.
  2. Nun kurz mit dem Pürierstab mixen.Je kleiner das Pflanzenmaterial vor dem Auszug zerkleinert wird, desto besser lösen sich die Inhaltsstoffe. Natürlich kann man das Pflanzenmaterial auch im Mörser zu Brei verarbeiten!
  3. Das zerkleinerte Pflanzenmaterial nun in einen Topf geben und mit dem Öl aufgießen. Wichtig ist, dass mehr Öl als Pflanzenmaterial im Topf vorhanden ist. Ansonsten einfach noch Öl nachgeben.
  4. Nun wird das Ganze erhitzt. Dazu den Inhalt einmal zum Köcheln bringen. Danach die Hitze reduzieren und auf kleinster Stufe für ca. 30 Minuten ziehen lassen.
  5. Den Ölauszug auskühlen lassen und danach wieder erhitzen. Das Prozedere kann 2 - 4 mal wiederholt werden, um einen intensiven Ölauszug herzustellen.
  6. Danach wird das Öl über ein Feinsieb abgeseiht. Den Wasserrückstand nicht mitabseihen, sollte noch einer vorhanden sein.
  7. Der fertige Ölauszg kann in desinfizierte Fläschchen abgefüllt werden.

 

Haltbarkeit: Bei kühler und dunkler Lagerung kann das Öl bis zu einem Jahr haltbar sein.

 

 

Verwendung: Der Ölauszug kann als Wund- und Massageöl pur eingesetzt werden. Außerdem eignet sich dieses Öl, in einem Zerstäuber abgefüllt, auch zur täglichen Körperpflege, als Anti-Aging-Mittel und After-Sun-Pflege. Der Ölauszug kann auch kulinarisch verwendet werden.

 

     

 

Rezept Ringelblumen-Salbe

 

 

Zutaten:

  • 100 g Ringelblumenölauszug
  • 10 g Bienenwachs

 

Herstellung:

  1. Bienenwachs in einen Topf geben und auf kleiner Stufe schmelzen. Keine Sorge, das Bienenwachs kann nicht verbrennen.
  2. Nun den Ölasuzug langsam zum geschmolzenen Bienenwachs geben und einrühren.
  3. Danach kann die noch flüssige Salbe in desinfizierte Tiegel abgefüllt werden.
  4. Die Salbe etwas andicken lassen und danach luftdicht verschließen.

      

Haltbarkeit: Bei kühler und dunkler Lagerung und Entnahme mit einem Spatel ist die Salbe für ca. 12 Monate haltbar. Die Salbe sollte nicht in den Kühlschrank gestellt werden, da dadurch am Deckel Kondenswasser entsteht und dies zu einer Verkeimung führen kann

  

 

Verwendung: Die Salbe ist ein richtiger Allrounder und kann bei diversen Hautproblematiken verwendet werden. So kann sie bei Ausschlägen, Wunden (vor allem bei schlecht heilenden Wunden), Ekzemen und Furunkel eingesetzt werden. Auch bei Wundliegen und Windeldermatitis bringt diese Salbe Linderung. Die Zubereitung eignet sich auch wunderbar zur täglichen Körperpflege und kann als Gesichts- und Körpersalbe eingesetzt werden. Vor allem bei Akne und unreiner Haut hat sich Ringelblumensalbe bewährt.

 

Ich wünsch euch viel Spaß beim Ausprobieren und gutes Gelingen!

 

Du hast Lust noch mehr über diese Methode zu erfahren? In meinen Workshops zu den Themen "Salbenrühren nach alter Tradition" und "Grüne Hausapotheke" wird dieses Verfahren genau erläutert und gemeisam ausprobiert! Aktuelle Termine findest du HIER!

Bühring, Ursel (2014): Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde. Grundlagen, Anwendung, Therapie. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag.

Madejsky, Margret (2017): Lexikon der Frauenkräuter. Inhaltsstoffe, Wirkungen, Signaturen und Anwendungen. Baden und München: AT Verlag.