Löwenzahnsirup

Der Löwenzahnsirup zählt zu den Klassikern unter den Kräuterzubereitungen! Ich möchte euch zeigen, wie ihr die wunderschönen Blüten des Löwenzahns zu einem schmackhaften und vor allem gesunden Sirup verarbeiten könnt. Klar, die Herstellung eines Löwenzahnsirups erfordert etwas Geduld, aber es lohnt sich auf jeden Fall!

 

Der Löwenzahn

Der Löwenzahn strotzt vor Vitalität und Lebenskraft. Im Vorfrühling sprießt der Löwenzahn zunächst mit seinen Blattrosetten und später mit seinen wunderschönen gelben Blütenköpfen aus dem Boden. Löwenzahn wächst sogar unter widrigsten Bedingungen. Nicht einmal Beton kann dieser Pflanze etwas anhaben - ein wahrer Überlebenskünstler! Der Löwenzahn gilt außerdem als Pflanze der vielen Namen, denn keine Pflanze hat im Volksmund so viele Bezeichnungen wie der Löwenzahn. Von Bärenzahn, Bettseicher über Butterblume bis hin zu Wolfszahn oder Milchblume ist so einiges dabei. Vieler dieser Namen machen sogar auf seine enorme Heilwirkung aufmerksam. Löwenzahn zählt heute zu den wichtigen Bitterstoff-Kräutern. Bitterstoffe wirken im Körper leber- und galleanregend, aktivieren die Verdauungssäfte und -vorgänge. Außerdem besitzt der Löwenzahn eine blutreinigende Wirkung, hilft bei Fettleibigkeit und reduziert den Cholesterinspiegel. In der Volksmedizin gilt der Tee aus Löwenzahnblättern, Blüten und Wurzeln als ein entschlackendes und wassertreibendes Mittel, was auch die Bezeichnung „Bettseicher“ oder „Brunzblume“ erklärt. Aufgrund seines hohen Anteils an Carotinoide und Flavonoide gilt Löwenzahn auch als Heilmittel für die Haut.

 

Löwenzahnsirup

Die Wiesen sind gerade überseht von den dottergelben Blüten des Löwenzahns. Deshalb wird es Zeit für ein einfaches Rezept für einen Löwenzahnsirup. Ich habe über die Jahre hinweg unterschiedliche Rezepte für Sirupe durchgelesen und ausprobiert. Oft war ich nicht zufrieden, die Herstellung hat nicht funktioniert und auch das Ergebnis entsprach nicht meinen Vorstellungen. Sehr oft findet man Rezepte, die den Sud im Kaltansatz einige Stunde stehen lassen, was die Gefahr der Verkeimung erhöht. Seit meiner Ausbildung zur Naturheilkundepädagogin beschäftige ich mich intensiv mit alten Heilmitteln. So bin ich auf die Zubereitungsform des Defrutums gestoßen.

 

Defrutum als Sirupbasis

Defrutum wurde bereits vor 7000 Jahren zubereitet. Hierbei handelt es sich um einen Sirup der durch Einkochen von Fruchtsäften entsteht. Unsere alteuropäischen Vorfahren pressten dazu Weintrauben aus und kochten diesen Saft ein. Ärzte verwendeten vor tausenden Jahren Defrutum als Arzneien, das Volk als gesundes Süßungsmittel. Trockenen Husten behandelte beispielsweise Avicenna (11 Jh.) mit Sirupen aus Trauben, in denen Quittenkerne, Malve und Gerste ausgezogen wurden. Defrutum ist auch als Epsima, Petimezi oder Pekmez bekannt und wird heute noch in der Türkei eingesetzt. So wird Pekmez bei Husten, Magen-Darm-Erkrankungen, Blasenbeschwerden, Bronchitis und zur Immunstärkung verwendet. Als Heilmittel gegen Erkältungen, Grippe und Schwächezuständen wird es mit warmen Wasser getrunken

 

Defrutum wirkt allgemein energiespendend, mineralisierend, entzündungshemmend, verdauungsfördernd, immunstärkend, antioxidativ, vitalisierend (vgl. Nedoma 2017, S. 98 - 101).

 

Das Rezept

Zutaten:

 

  • 2 Handvoll Löwenzahnblüten (ohne die grünen Kelchblätter)
  • 2 l Trauben- oder Apfelsaft

 

Herstellung:

 

Zunächst den gewünschten Saft in einen Topf geben und auf ca. 500 – 300 ml einkochen lassen. Die für den Löwenzahnsirup benötigten Blüten werden an einem sonnigen Tag, am besten am späten Vormittag, gesammelt. Danach sollten die Blüten sofort verarbeitet werden, damit man alle Wirkstoffe im Sirup einfangen kann. Jetzt ist viel Geduld gefragt. Die einzelnen Blüten müssen aus dem Blütenkorb gezupft werden. Für mein Rezept benötigst du ca. 2 Händevoll Löwenzahnblüten.

 

Die abgezupften Blütenblätter kommen zum reduzierten Saft in den Topf und werden einmal aufgekocht. Nun auf kleinster Hitze für ca. 1 Stunde zugedeckt ziehen lassen. Das Sirup kann jetzt abgeseiht und noch heiß in kleine Fläschchen abgefüllt werden.

 

Nun ist der Löwenzahnsirup zum Verkosten und Verschenken bereit. Wenn du den Sirup noch weiter einkochen lässt, erhaltest du einen Löwenzahnhonig, den du auf ein Butterbrot streichen oder zu Salatdressings verarbeiten kannst. Sei kreativ und lass‘ es dir schmecken!

 

 

Haltbarkeit:

Verschlossen und kühl gelagert hält sich der Sirup für 1 Jahr. Sobald du ihn geöffnet hast, am besten in den Kühlschrank stellen. Jetzt sollte er innerhalb von ca. 4 Wochen aufgebraucht werden. Das Abfüllen in kleineren Fläschchen ist deshalb vorteilhaft.

alle Fotos ©Tina Rosenkranz

Literatur:

Nedoma, Gabriela (2017): Vergessene Heiltinkturen. Alkoholfreie Pflanzenextrakte und ihre heilkundlichen Anwendungen. Wels bei Salzburg: Servus Verlag.