Johanniskrautöl

Das Johanniskraut - Hypericum perforatum


Blütezeit:

Juni bis August

Sammelzeit:

In der Vollblüte, wenn auch schon erste unreife Früchte vorhanden sind

Verwendete Teile:

Das obere Drittel des blühenden Krautes

Inhaltsstoffe:

Hypericin, Hyperforin, Flavonoide, Gerbstoffe, ätherisches Öl

Eigenschaften:

Entzündungshemmend (Flavonoide, Hyperforin), schmerz- und juckreizstillend, keimwidrig (Hyperforin), fördert die Wundheilung (Gerbstoffe), antibakteriell, antidepressiv, nervenstärkend,

 

Erkennungsmerkmale:

 

Weltweit gibt es 370 verschiedene Johanniskrautgewächse. Bei uns sind 9 unterschiedliche Arten heimisch.

 

Das Johanniskraut besitzt einen zweikantigen Stängel. Die wunderschön gelb-goldenen Blüten sind mit punkt- oder strichförmigen Drüsen besetzt. Beim Zerreiben zwischen den Fingern tritt sofort der rote Pflanzenfarbstoff Hypericin aus, wofür das Johanniskraut bekannt ist. Die „perforiert“ aussehenden Blätter (Sitz der Öldrüsen, worauf der Name „perforatum“ für „durchlöchert“ hinweist), sind ein weiteres Erkennungsmerkmal. Wenn ein Blatt gegen die Sonne gehalten wird, sieht man diese hellen, punktförmigen Drüsen, so als ob man mit einer Stecknadel mehrere Löcher hineingestochen hätte.

 

Der perfekte Erntezeitpunkt:

      

Der perfekte Erntezeitpunkt wäre zur Vollblüte, wenn die Pflanze neben Knospen und Blüten auch schon Früchte ansetzt. In den Früchten ist der höchste Gehalt an Hyperforin zu finden, dass für wundheilende Wirkung des Rotöls verantwortlich ist.


 

Wirkungen und Anwendungsbereiche vom Johanniskraut-Öl:

      

Bereits zu den Zeiten Paracelsus galt das Johanniskraut als Wundheilmittel. Für die Wundbehandlung ist das Hyperforin wesentlich, das in besonders hoher Konzentration in den unreifen Fruchtkapseln enthalten ist. Neue Studien zu diesem Thema zeigen, dass für die Gewinnung des antibakteriell wirkenden Hyperforins, die Extraktion des Johanniskrautöls im Dunkeln zu bevorzugen ist Untersuchungen ergaben auch, dass bereits im Mittelalter Johanniskrautöle im Dunkeln ausgezogen wurden (Bühring 2014, S. 453)!

 

In der äußerlichen Anwendung wirkt Johanniskrautöl entzündungshemmend (hierfür verantwortlich sind insbesondere Flavonoide und Hyperforin), schmerz- und juckreizstillend (Hyperforin), keimwidrig (Hyperforin) und wundheilungsfördernd (Gerbstoffe). Es eignet sich bei Sonnenbrand, Nervenschmerzen, verspannter Muskulatur und zur Nachbehandlung von stumpfen Verletzungen wie Prellungen und Verstauchungen. Aufgrund des hohen Gehalts an Hyperforin wirkt das sogenannte Rotöl pilzhemmend und antibakteriell. Das Hyperforin besitzt außerdem eine antibiotische Wirkung und fördert die Regeneration der oberen Hautschicht. Deshalb können Johanniskrautöl-Kompressen auch bei infizierten bzw. schlecht heilenden Wunden angewandt werden (Prof. Schempp/ Uni-Hautklinik Freiburg).

 

 

Bei der äußerlichen Anwendung kommt es nachweislich zu KEINER Fotosensibilisierung, so das Ergebnis neuere Studien. Direkt nach dem Auftragen des Johanniskrautöls ist allerdings dennoch direkte Sonnenbestrahlung zu vermeiden (Brennglaseffekt) (vgl. Bühring 2014, S. 454).

 

Zur nervenstärkenden und antidepressiven Wirkung Johanniskrauts:

 

Johanniskraut ist aber auch aufgrund seiner nervenstärkenden und antidepressiven Wirkung bekannt. Hierfür verantwortlich ist das bekannte Hypericin. Zwar beteiligen sich auch Flavonoide an dieser Wirkung, aber das Hypericin kann hier als Leitsubstanz verstanden werden (vgl. Bührung 2014, S. 623).

 

Innerlich eingenommen, z.B. in Form von Tees oder Tinkturen, wirkt Johanniskraut stimmungsaufhellend, angstlösend, antidepressiv und kann bei Burn-Out-Syndrom, Schlafstörungen und Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt werden.

 

 

Bei der innerlichen Einnahme ist allerdings Geduld gefragt. Eine gewünschte Wirkung setzt erst bei hoher und langer Dosierung ein. Erst nach ca. 2 - 3 Wochen, oft aber erst nach 3 - 5 Wochen kann eine zufriedenstellende Wirkung erreicht werden.

 

 

Eine Nebenwirkung, die bei der innerlichen Einnahme von Johanniskraut entstehen kann, ist die Fotosensibilisierung der Haut. Das heißt, die Haut wird lichtempfindlicher. Dies gilt insbesondere für Menschen mit heller Haut. Eine intensive Sonnenbestrahlung der Haut sollte daher während der Einnahme vermieden werden (vgl. Bühring 2014, S. 623f.).

 

 

Bei der äußerlichen Anwendung kommt es nachweislich zu KEINER Fotosensibilisierung, so das Ergebnis neuere Studien. Direkt nach dem Auftragen des Johanniskrautöls ist allerdings dennoch direkte Sonnenbestrahlung zu vermeiden (Brennglaseffekt) (vgl. Bühring 2014, S. 454).

 

Rotöl-Rezept

Um einen hochwertigen, haltbaren und heilkräftigen Ölauszug herzustellen, gibt es ein paar Aspekte zu beachten. Ölauszüge aus Frischpflanzen im Kaltansatz herzustellen, bergen immer die Gefahr der Verkeimung. Frische Pflanzen besitzen immer Feuchtigkeit, die in Kombination mit Öl zu Verkeimungen führen kann. Hier verrate ich euch einen einfachen Trick, mit dem euch das Johanniskraut ganz bestimmt gelingt.

 

 

Ölauszug im Kaltansatz (Mazerat):

 

 

Hier ein paar Punkte, die ihr bei jedem Kaltansatz beachten solltet:

 

  • Hygienisches Arbeiten (Hände waschen, Arbeitsflächen desinfizieren, Gläschen und Arbeitsmaterialien desinfizieren)
  • Stabiles Öl (keine Öle die schnell ranzig werden wie Mandelöl, Leinöl, Leindotteröl, Hanföl…): Öle die sich sehr gut eignen: Bio-Olivenöl, Bio-Sonnenblumenöl (nicht kaltgepresst), Jojobaöl, Distelöl (nicht kaltgepresst)
  • Ölauszug immer luftdicht verschließen: Methoden mit Küchenrolle oder Baumwolltücher zum Abdecken der Gläser, sollten gemieden werden. Diese Methoden können die Gefahr der Verkeimung vergrößern!
  • Alkohol als Konservierer: bei Kaltansätzen gebe ich immer einen Schuss 38%igen Alkohol zum Ansatz dazu (z.B. Vodka). Der Alkohol verhindert Verkeimungen und konserviert den Ölauszug.

 

Zutaten:

  • Johanniskrautblüten (am besten mit unreifen Fruchtkapseln – siehe Beschreibung oben)
  • ca. 200 ml Öl (ich verwende Bio-Sonnenblumenöl aus dem Supermarkt)
  • einen Schuss 38%igen Alkohol
  • ein desinfizertes Glas (250ml)
  • einen Mörser

Herstellung:

  1. Johanniskrautblüten und –kapsel abzupfen und mit einem Schuss Alkohol im Möser zerstoßen
  2. diese kommen nun ins desinfizierte Gläschen; das Gläschen sollte bis zur Hälfte mit den Pflanzenmaterial gefüllt sein
  3. nun mit dem entsprechenden Öl auffüllen und luftdicht verschließen
  4. das Öl im Dunklen für ca. 6 – 8 Wochen ziehen lassen (Wie oben erwähnt, ist Hyperforin lichtempfindlich und würde beim Ausziehen an der Sonne kaputt gehen)
  5. den Ansatz immer wieder schütteln
  6. über ein Feinsieb abseihen (der Alkoholrückstand, der sich am Boden absetzt, kann mitabgeseiht werden) und in desinfizierte Fläschchen abfüllen

 

 

Haltbarkeit: Wir das Öl nach dieser Methode hergestellt, ist es für ca. 12 Monate haltbar

 

Auf meinem Instagram-Kanal (die_kraeutermacherei) und meiner Facebook-Seite (Die Kräutermacherei) findet ihr ein Video, in dem ich euch zeige, wie ein Rotöl hergestellt werden kann!

 

Viel Spaß beim Ausprobieren und gutes Gelingen,

Tina

 

 

 

 Literatur: Bühring, Ursel (2014): Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde. 4. Aufl. Stuttgart: Haug Verlag.