Defrutum - eine vergessene Arznei aus der Antike

Foto: Tina Rosenkranz

Defrutum ist eine uralte Arznei, die bereits seit der Antike verwendet wird. Leider hat diese Zubereitung aber an Ansehen und Bekanntheit verloren. Schade eigentlich, denn Defrutum ist ein simpler, gesunder und heilkräftiger Sirup, der als Basis diverser Heilkräuter-Tinkturen verwendet werden kann. Doch was ist Defrutum eigentlich genau? Darauf möchte ich nun eingehen!

 

Was ist Defrutum?

Defrutum ist ein aromatischer Fruchtsirup der durch Einkochen von Fruchtsäften entsteht. Unsere alteuropäischen Vorfahren pressten dazu bevorzugt Weintrauben aus und kochten den Presssaft ein. Ärzte verwendeten Defrutum in Form von Tinkturen als Arzneien, das Volk als gesundes Süßungsmittel (vgl. Nedoma 2019b, S. 51).

 

In Rom wurde sogar zwischen drei Konzentrationsgraden unterschieden. So wurde die Reduktion von Traubensaft auf ca. 1/3 als Sapa (lat. Saft), die Reduktion auf die Hälfte als Defrutum und die Reduktion des Saftes auf 2/3 als Caroenum bezeichnet. In Griechenland lassen sich auch die Begriffe Petimezi, Hepsema oder Epsima finden. In der Türkei spricht man von Pekmez. In der Traditionellen Europäischen Medizin lassen sich somit unterschiedliche Bezeichnungen finden, das Grundprinzip ist aber immer das gleiche (vgl. Nedoma 2017, S. 98).

 

 

Defrutum war für antike Ärzte ein wichtiges Extraktionsmittel für die Zubereitung von Kräuterextrakten. So empfahl Dioskurides, griechischer Arzt aus dem 1. Jh. n. Chr., Kräuterarzneien auf Defrutum-Basis bei unterschiedlichen Beschwerden wie „eiterflüssige Ohren“ oder „Zahnfleisch- und Mandelanschwellung“ (vgl. Nedoma 2017, S. 99f.). Avicenna, persischer Arzt der von 980-1037 lebte, empfahl Traubensirupe, in denen Quittenkerne, Malve und Gerste extrahiert wurden, bei trockenem Husten.

 

 

Diese Zubereitung findet sogar heute noch Anwendung. In der Türkei besitzt Defrutum oder Pekmez den Status eines nationalen Heil- und Süßungsmittels, denn in der traditionellen türkischen Medizin wird Pekmez bei Husten, Magen-Darm-Erkrankungen, Blasenbeschwerden, Bronchitis und zur Immunstärkung verwendet. Als Heilmittel gegen Erkältungen, Grippe und Schwächezuständen wird es mit warmen Wasser getrunken. Pekmez wird auch hier hauptsächlich aus Trauben, aber auch aus Zwetschken oder Kornelkirschen hergestellt.

 

Foto: Tina Rosenkranz

Wie wirkt Defrutum und wofür kann es verwendet werden?

Defrutum besitzt Fruchtzucker, Carotine, Eisen, Phosphor, Kalium, Calcium, Vitamin B und E, Aminosäuren, Polyphenole, Antioxidatinen (vor allem in Roten Trauben), Gallsäure, Kaffeesäure, Rutin, Quercetin.

 

Defrutum wirkt aufgrund dieser Inhaltsstoffe energiespendend, mineralisierend, entzündungshemmend, reizmildernd (Husten, Magen), verdauungsfördernd, immunstärkend, antioxidativ und vitalisierend (vgl. Nedoma 2017, S. 101).

 

 

Die Einsatzgebiete sind ebenfalls sehr vielfältig. Defrutum kann beispielsweise bei Blutarmut und als schnelle Energieversorgung für Sportler verwendet werden. Es unterstützt das Immunsystem und kann als Aufbaumittel in der Rekonvaleszenz, Infektionen und mangelnder Vitalität Versucht werdn. Auch bei Magenbeschwerden wirkt es reizmildernd und unterstützt die Schleimhautregeneration. Es fördert die Energieversorgung der Muskeln bei Muskelkater und eignet sich als Aufbaumittel nach physischen Anstrengungen. Defrutum fördert außerdem die Darmregulation und unterstützt den Aufbau einer gesunden Darmflora (vgl. Nedoma 2017, S. 101).

 

Defrutum ist somit nicht nur ein schmackhafter Sirup sondern auch ein wahres Heilmittel! Die Herstellung von Kräuterextrakten auf Defrutum-Basis lohnt sich also!

 

Foto: Tina Rosenkranz

Herstellung von Defrutum

Rohstoffe für die Herstellung von Defrutum:

 

 

Trauben- und Fruchtsäfte sollten am besten in Bioläden oder direkt beim Bauern gekauft werden. Die Säfte dürfen keinen Zusatz von Zucker, Farbstoffen und Konservierungsmittel enthalten.

 

Statt Traubensäfte können auch andere Fruchtsäfte wie Apfel-, Birnen- oder Zwetschkensaft verwendet werden. Natürlich können Fruchtsäfte auch selber hergestellt werden.

 

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

 

So, jetzt habe ich doch einiges über diese wunderbare und vergessene Arznei geschrieben. Doch wie wird Defrutum, Pekmez etc. hergestellt?

      

Die Herstellung ist denkbar einfach. Fruchtsäfte werden zunächst auf eine bestimmte Menge eingekocht. Durch das Einkochen entsteht eine Art Fruchtzuckerreduktion, in der dann Kräuter, Beeren, Wurzeln etc. ausgezogen werden können.

 

 

Das heißt:

 

1 l Traubensaft oder Apfelsaft in einen Topf geben, auf die Herdplatte stellen und auf höchster Stufe stark wallend (ohne Deckel) kochen lassen. Das Ganze wird so lange gekocht, bis nur mehr 200 – 250 ml des Saftes vorhanden sind. Für die weiteren Schritte gibt es nun 2 Möglichkeiten:

 

 

Variante 1- Kalte Extraktion:

 

Die ausgewählten Kräuter zerkleinern und in ein Schraubglas geben und mit dem reduzierten Traubensaft (bzw. Fruchtsaft) übergießen. Den Ansatz für eine Woche im Kühlschrank ziehen lassen. Immer wieder schütteln. Danach den Ansatz abseihen und in desinfizierte Flaschen abfüllen.

 

Wird Defrutum mit dieser Variante zubereitet, dann ist der Sirup für ca. 1 - 3 Monate bei kühler und dunkler Lagerung haltbar.

      

 

Variante 2 - Heißextraktion:

 

Die ausgewählten Kräuter mit reduziertem Trauben- oder Fruchtsaft in einen Topf geben, zum Kochen bringen und 10 - 20 Minuten zugedeckt leicht köcheln lassen (auf kleinster Stufe). Danach den Ansatz abseihen und noch heiß in desinfizierte Flaschen füllen. Alternativ könnte man den Ansatz nach dem Köcheln noch für weitere 30 – 60 Minuten ziehen lassen (Herdplatte ausschalten) und danach erst in Flaschen abfüllen.

 

Wird Defrutum mit Hilfe der Heißextraktion hergestellt, dann ist der Sirup verschlossen mindestens 1 Jahr bei Zimmertemperatur haltbar. Nach dem Öffnen sollte der Sirup aber innerhalb von 1 – 3 Monaten verbraucht und im Kühlschrank gelagert werden.

      

 

Verwendung und Einnahme:

 

Das Defrutum kann wie ein normaler Sirup täglich getrunken werden oder als Arznei zum Einsatz kommen.

 

 

Defrutum als Arznei:

 

Erwachsene können Defrutum bei akuten Problematiken einen Esslöfel Defrutum unverdünnt einnehmen. Defrutum eignet sich aber auch zur kurmäßigen Einnahme. Dazu zwei Esslöffel des Defrutums mit einem Glas Wasser verdünnt vor dem Frühstück und Mittagessen trinken. Die Einnahme erfolgt über 2-3 Wochen.

 

Defrutum eignet sich auch als hervorragende Arznei für Kinder. Hierfür einen Teelöffel Defrutum mit Wasser verdünnt trinken (vgl. Nedoma 2017, S. 105).

 

Foto: Tina Rosenkranz

Rezept: Beruhigendes Melissen-Defrutum

Zutaten:

  • 3 Liter Traubensaft oder Apfelsaft
  • 2 Handvoll frische Zitronenmelisse

      

Herstellung:

 

Den Fruchtsaft in einen großen Topf geben und so lange ohne Deckel kochen lassen, bis nur mehr 500 – 600 ml Fruchtsaft übrig bleiben.

Nun die fein gehackten Melissenblätter zum reduzierten Fruchtsaft geben und zugedeckt für ca. 30 Minuten auf kleinster Stufe köcheln lassen. Den Topf von der Herdplatte nehmen und noch weitere 30 Minuten ziehen lassen. Anschließend wird das fertige Defrutum über ein Feinsieb abgeseiht und noch heiß in desinfizierte Flaschen abgefüllt.

 

      

Verwendung:

 

Das Melissen-Defrutum eignet sich sehr gut als Erfrischungsgetränk. Mit etwas Natursalz versehen, kann es auch als isotonisches Sportgetränk eingesetzt werden. Aufgrund der Inhaltsstoffe ist der Sirup mit Wasser verdünnt auch als Beruhigungsgetränk bei Magen- und Darmbeschwerden verwendbar.

 

 

 

     

Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachmachen! Werdet kreativ und probiert eure eigenen Rezepturen aus!

 

 

 

Foto: Tina Rosenkranz

 

Literatur:

Nedoma, Gabriela (2017): Vergessene Heiltinkturen. Alkoholfreie Pflanzenextrakte und ihre heilkundlichen Anwendungen.

Servus Verlag: Wals bei Salzburg.